Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Franz Marcs "Füchse" werden restituiert

Datum 30.04.2021

Die Be­ra­ten­de Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz, be­grüßt die An­kün­di­gung des Stadt­rats der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf, das Ge­mäl­de Füch­se von Franz Marc an die Er­ben nach Kurt Gra­wi zu re­sti­tu­ie­ren.

Die Kom­mis­si­on wur­de von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen ge­schaf­fen, um ei­ne Prü­fung nach der Hand­rei­chung, wie sie die kul­tur­be­wah­ren­den In­sti­tu­tio­nen vor­neh­men, um ei­ne ethisch-mo­ra­li­sche und po­li­ti­sche Be­wer­tung zu er­gän­zen. Kurt Gra­wi wur­de nach dem Po­grom vom No­vem­ber 1938 im KZ Sach­sen­hau­sen in­ter­niert, sei­nes Ver­mö­gens be­raubt und an­schlie­ßend mit 10,- RM ins Exil ver­trie­ben. Für sei­ne Wei­ter­rei­se ab Brüs­sel war Gra­wi auf frem­de Un­ter­stüt­zung an­ge­wie­sen. In die­ser Si­tua­ti­on hat er ver­sucht, das mut­maß­lich un­ter er­heb­li­chen per­sön­li­chen Ri­si­ken ins Aus­land ver­brach­te Ge­mäl­de zu ver­kau­fen. Wie be­reits in frü­he­ren Emp­feh­lun­gen geht die Kom­mis­si­on da­von aus, dass ein Rechts­ge­schäft au­ßer­halb des NS-Macht­be­reichs die An­nah­me ei­nes NS-ver­fol­gungs­be­ding­ten Ent­zugs nicht not­wen­di­ger­wei­se aus­schließt.

Auch im Fal­le von Kurt Gra­wi stand der Ver­kauf in ei­nem un­mit­tel­ba­ren Zu­sam­men­hang mit der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­fol­gung. Gra­wi selbst hat be­tont, dass er nur we­gen sei­ner Flucht aus Deutsch­land da­zu ge­zwun­gen sei, das Ge­mäl­de zu ver­kau­fen, um sich und sei­ner Fa­mi­lie im Exil ei­ne neue Exis­tenz auf­zu­bau­en. An­ge­sichts die­ser Sach­la­ge hat es die Kom­mis­si­on als fair und ge­recht er­ach­tet, der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf zu emp­feh­len, das Bild an die Er­ben nach Kurt Gra­wi zu re­sti­tu­ie­ren. Von ei­ner grund­le­gen­den Än­de­rung der bis­he­ri­gen Pra­xis kann ent­ge­gen ei­ni­gen Pres­se­be­rich­ten nicht die Re­de sein.

Die voll­stän­di­ge Be­grün­dung der Emp­feh­lung fin­det sich auf be­ra­ten­de-kom­mis­si­on.de.