Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Neue Empfehlung der Beratenden Kommission

Datum 26.03.2021

Die Be­ra­ten­de Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz, hat un­ter dem Vor­sitz von Prof. Dr. Hans-Jür­gen Pa­pier in der Sa­che Er­ben nach Kurt und El­se Gra­wi ./. Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf am 10. Fe­bru­ar 2021 mit ei­ner Mehr­heit von sechs Stim­men (bei drei Ge­gen­stim­men) be­schlos­sen, die Re­sti­tu­ti­on des Ge­mäl­des Füch­se von Franz Marc an die Er­ben nach Kurt und El­se Gra­wi zu emp­feh­len.

Das Ge­mäl­de be­fand sich bis min­des­tens Fe­bru­ar 1940 im Ei­gen­tum von Kurt Gra­wi. Gra­wi war ge­lern­ter Bank­kauf­mann, Bör­sen­mak­ler und selbst­stän­di­ger Un­ter­neh­mer. We­gen sei­ner jü­di­schen Ab­stam­mung wur­de er in­di­vi­du­ell und kol­lek­tiv ver­folgt. Nach der Reichspo­grom­nacht wur­de Gra­wi für meh­re­re Wo­chen im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen in­haf­tiert. En­de April 1939 emi­grier­te er über Brüs­sel nach San­tia­go de Chi­le, wo er am 4. Ju­ni 1939 bei Ver­wand­ten sei­ner Ehe­frau El­se an­kam. Gra­wi durf­te da­bei 10,- RM mit sich füh­ren. Für die Wei­ter­rei­se ab Brüs­sel war er auf die Un­ter­stüt­zung von Freun­den an­ge­wie­sen. Im De­zem­ber 1939 ge­lang auch El­se Gra­wi mit ih­ren bei­den Söh­nen die Aus­rei­se über Ita­li­en nach Chi­le zu ih­rem Mann.

Aus ei­nem am 30. April 1939 auf sei­ner Flucht in Brüs­sel kurz vor sei­ner Wei­ter­rei­se nach Chi­le ver­fass­ten Schrei­ben Kurt Gra­wis geht her­vor, dass sich die Füch­se zu die­sem Zeit­punkt in Pa­ris zur wei­te­ren Ver­sen­dung nach New York be­fan­den, wo das Ge­mäl­de „trotz der Un­gunst der Zeit“ ver­kauft wer­den soll­te. Da­bei be­ton­te Gra­wi, für ihn und sei­ne Fa­mi­lie „be­deu­tet das Er­geb­nis die Grund­la­ge für un­se­re Aus­wan­de­rung“.

Zwi­schen Fe­bru­ar 1940 und Sep­tem­ber 1940 wur­de das Ge­mäl­de an Wil­liam und Char­lot­te Die­ter­le ver­kauft. 1962 ging es als Schen­kung Hel­mut Hor­tens in den Be­stand der Städ­ti­schen Kunst­samm­lung Düs­sel­dorf ein.  

Nach Auf­fas­sung der Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on ist das Ge­mäl­de Füch­se von Franz Marc zu re­sti­tu­ie­ren, auch wenn der Ver­kauf au­ßer­halb des NS-Macht­be­rei­ches sei­nen Ab­schluss ge­fun­den hat. Der Ver­kauf 1940 in New York war die un­mit­tel­ba­re Fol­ge der In­haf­tie­rung im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger und der an­schlie­ßen­den Flucht und stand mit der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­fol­gung in ei­nem der­art en­gen Zu­sam­men­hang, dass der Ort des Ge­sche­hens dem­ge­gen­über zu­rück­tritt.

Die voll­stän­di­ge Be­grün­dung der Emp­feh­lung fin­det sich auf be­ra­ten­de-kom­mis­si­on.de.