Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Neue Empfehlung der Beratenden Kommission

Datum 08.02.2021

Die Be­ra­ten­de Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz, hat un­ter dem Vor­sitz von Prof. Dr. Hans-Jür­gen Pa­pier in der Sa­che Er­ben nach Hein­rich Rie­ger ./. Stadt Köln am 29. Sep­tem­ber 2020 ein­stim­mig be­schlos­sen, die Re­sti­tu­ti­on des Aqua­rells Kau­ern­der weib­li­cher Akt von Egon Schie­le an die Er­ben­ge­mein­schaft nach Hein­rich Rie­ger zu emp­feh­len.

Hein­rich Rie­ger hat über Jahr­zehn­te hin­weg in Wien ei­ne be­deu­ten­de Samm­lung zeit­ge­nös­si­scher Kunst auf­ge­baut. Den Kau­ern­den weib­li­chen Akt hat er ver­mut­lich vom Künst­ler selbst er­hal­ten, den er als Zahn­arzt be­han­del­te. Nach dem sog. „An­schluss“ am 13. März 1938 war Rie­ger we­gen sei­ner jü­di­schen Ab­stam­mung schwers­ter Ver­fol­gung aus­ge­setzt. Sei­ne Kunst­samm­lung ging durch Not­ver­käu­fe und „Ari­sie­run­gen“ prak­tisch voll­stän­dig ver­lo­ren. Rie­ger wur­de 1942 nach The­re­si­en­stadt de­por­tiert, wo er zu ei­nem un­be­kann­ten Zeit­punkt ums Le­ben kam. Sei­ne Frau wur­de am 16. Mai 1944 nach Ausch­witz de­por­tiert und dort wahr­schein­lich bei An­kunft ver­gast. Le­dig­lich dem Sohn Ro­bert ge­lang 1938 die Flucht in die USA.

Das kon­kre­te Schick­sal des Kau­ern­den weib­li­chen Akts ist un­be­kannt. Rie­gers Samm­lung blieb je­doch bis zum 13. März 1938 weit­ge­hend in­takt. Ins­be­son­de­re Wer­ke von Schie­le gab Rie­ger nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len ab. Nach den Grund­sät­zen des An­scheins­be­wei­ses hat die Kom­mis­si­on des­halb den Nach­weis für er­bracht ge­se­hen, dass der Kau­ern­de weib­li­che Akt am 13. März 1938 noch zu Rie­gers Kunst­samm­lung ge­hör­te und in der Fol­ge NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­de.

Die voll­stän­di­ge Be­grün­dung der Emp­feh­lung fin­det sich auf be­ra­ten­de-kom­mis­si­on.de.